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Parallelwelt

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Cody McFadyen , "Ausgelöscht"

(12/11)
Vorab: Es ist das vierte Buch der Reihe, das mich nicht enttäuschte. Es beginnt mit der Hochzeit von Smoky Barrett und Tommy und endet mit einem abgeschnittenen Finger und einem Baby. Dazwischen dreht sich alles um das Katz-und-Maus-Spiel mit einem genialen Killer. Immer wieder verschwimmt die klare Linie zwischen Jäger und Gejagten. Für mich war erstaunlich, wie es Cody McFadyen immer wieder aufs Neue gelingt, eine Handlung zu skizzieren, die es so in den bisherigen Büchern noch nicht gegeben hat. Auch die überraschende Wendung zum Ende des Buchs, die deja vu Erlebnisse der erfolgreichen Agentin, sind stimmig. Allerdings drängt sich schon die Frage auf, was hier noch gesteigert werden kann. Auch die Figur der Kirby ist ein wenig zu stereotyp geraten. Hier steckt noch mehr Potential. Ich hatte auch ein wenig das Gefühl, dass das Team mehr im Hintergrund blieb, als es in den vorherigen Büchern der Fall war. Ich bin sehr gespannt, in welche menschlichen Abgründe (ist menschlich eigentlich das richtige Wort?) uns Cody McFadyen noch führen wird.

Julian Barnes , "Eine Geschichte der Welt in 10 1/2 Kapiteln"

(05/11)
Es sind die erste und die letzte Geschichte, die die vorderen beiden Plätze in meiner Erinnerung belegen. Das besonders umworbene halbe Kapitel über die Liebe hat mich dagegen ziemlich gelangweilt. Jedoch der Einstieg ins Buch mit einer Schilderung der Probleme, mit der sich Noah mit seiner Mission herumschlagen musste, der war kurzweilig und machte Spaß. Zumal als Augenzeugen die Holzwürmer Zeugnis ablegten und den guten alten Noah nicht immer im besten Licht erscheinen ließen. Wer wusste schon, dass bei seiner Mission doch gleich ein paar Gattungen auf der Strecke blieben, oder besser gesagt, im Kochtopf landeten? Auch startete er nicht mit nur einem Schiff, sondern gleich mit einer kleinen Armada. Doch mehr möchte ich hier nicht erzählen. Das Motiv der Arche zieht sich dann auch durch die anderen Geschichten und mündet letztendlich in einem Traum. Einem Traum, der uns aufzeigt, was uns nach dem Tode blühen kann. Unendliche Langeweile! Aber es macht Spaß, diesem Gedankenspiel zu folgen und wenn man ein Golfer ist, kann man sich hier die ultimativen Tipps holen!.

Paul Auster , "Reisen im Skriptorium"

(05/11)
Alles beginnt mit einer ungewöhnlichen Erzählperspektive, die sich durch die gesamte Erzählung zieht. Eine Stimme aus dem Off spricht zum Leser, erklärt, was wir sehen, führt in die Szene ein und kommentiert, dass was dem alten Mann passiert, den wir für eine kurze Zeit durch eine surreale Zeitreise begleiten dürfen. Es sind viele kleine Puzzlesteine, die auch zum Schluss kein vollständiges Bild ergeben. Jedoch ist es ein faszinierendes Gefühlt, zusammen mit dem alten Mann Erinnerungen schemenhaft wieder aufzustöbern und in den Gleichnissen des Skripts, welches dem alten Mann zum lesen vorgelegt wurde, die eine oder andere Wahrheit zu erkennen. Im Buch passiert nicht viel, im Kopf jedoch explodieren die Gedanken.

Paul Auster , "Das Innenleben des Martin Frost"

(09/10)
Was passiert, wenn ein Erfolgsautor, nach der Veröffentlichung seines letzten Romans auf der Suche nach Erholung ist und dabei auf seine Muse trifft? Eine ungewöhnliche Fragestellung und ein ungewöhnliches Buch, nicht nur, weil es als Drehbuch verfasst ist. Claire, die zu Beginn wie eine zufällige Bekanntschaft die Handlung betritt, zieht alle Fäden fast beiläufig zu sich heran. Sie vergeht, wenn des Autors Ideen auf dem Papier materialisieren und verschafft einen skurrilen Einblick in die Organisation der Musenverwaltung. Man fliegt quasi über die Zeilen dahin, um die Lösung der Rätsel zu finden.

Cody McFadyen , "Der Todeskünstler"

(06/10)
Smoky Barrets neuer Fall schließt kurz nach 'Blutlinie' an die vergangene Handlung an. Ein Mord passiert und die einzige Überlebende fordert, mit einer Waffe an ihrer Schläfe, mit der FBI-Agentin zu sprechen. Sie behauptet, von einem Mann, einem 'Künstler', seit ihrer Kindheit verfolgt zu werden, der alle Menschen tötet die ihr zugetan sind. War 'Blutlinie' schon recht heftig, setzt Cody McFadyen hier noch mal einen drauf. Gerade der erste Teil der Tagebücher von Sarah hat es in sich und hinterlässt Spuren. Der Autor scheut tatsächlich keine Grenzüberschreitung und bleiben eine Menge Gedanken übrig, wenn man das Buch bereits geschlossen hat. Für mich eine gute Motivation, die Agentin und ihr Team auch weiter zu begleiten. Auch interessiert mich, was nun aus Bonnie wird und welche Steigerung es wohl noch geben kann.

Axel Beck , "Jedes zweite Wochenende"

(06/10)
Axel Beck schildert seine Erfahrungen nach der Trennung von Frau und Kindern und für jemanden, der gerade ähnliches erlebt, keine so abstrakte Lektüre. Der erste Teil hat mich jedoch ein wenig genervt. Der Autor erzählt von seinen persönlichen Bindungsängsten und greift mit jedem zweiten Satz den zukünftigen Ereignissen vor. Das sich wiederholende 'wenn ich das gewusst hätte' und 'hier war schon absehbar' oder 'wie ich heute weiß' war mir viel zu viel Beiwerk. Nach dem Auszug trifft er auf eine Situation, die ich nur zu gut nachvollziehen kann. Hier wird es dann auch vom Stil klarer, strukturierter. Ich habe für mich nicht viel Neues herauslesen können, aber es tat gut, die Gefühle von Verzweiflung, Trauer, Wut und Resignation virtuell teilen zu können. Ich kann nur sagen, dass man zu seiner Entscheidung stehen soll und mit etwas Glück öffnet sich eine neue Türe, die es wert ist, durchschritten zu werden.

Cody McFadyen , "Die Blutlinie"

(05/10)
Mit diesem Buch habe ich tatsächlich neue Wege beschritten. Bisher bin ich dem Genre des offensichtlichen Thrillers bewusst aus dem Weg gegangen. Aber dann las ich ein paar gute Kritiken von Cody McFadyen. Vielleicht hängt es auch mit den Millium-Filmen von Stieg Larsson zusammen. Jedenfalls erlag ich der Versuchung und kaufte mir 'Die Blutlinie'. Am Anfang behagte mir der Stil der Ich-Erzählerin Smoky Barrett nicht sonderlich. Auch bin ich kein Fan von Geschichten, deren Ende bereits bekannt ist. Zum Glück drehte sich die Geschichte dann aber nicht um den persönlichen Horror, der ihr im Vorfeld dieses neuen Falls widerfahren war. Natürlich musste ich schon ein Auge zudrücken, wenn ihr Team aus weltbesten Spezialisten vorgestellt wurde. Aber die Story von Serienkiller, der, selber Opfer einer ungeheuerlichen Kindheit, das Team in sein 'Spiel' mit einbezieht, zog auch mich in seinen Bann. Zumindest so sehr, dass ich bereits einen weiteren Band im Regal stehen habe.

Lars A. Fischinger , "Historia Mystica"

(03/10)
Vor einiger Zeit las ich einen Auszug aus diesem Buch im P.M. und war gespannt, was das Buch weiterführend zu bieten hätte. Fischinger beschäftigt sich mit Ungereimtheiten in der Weltgeschichte, seltsamen Phänomenen und bizarren Ausgrabungsfunden und Überlieferungen. Wer da ein wenig Däniken heraushört liegt gar nicht so falsch. Allerdings hinterfragt der Autor recht häufig sowohl den Wahrheitsgehalt als auch die innere Logik. Oft enden die Kapitel mit Fragen, die auch aus heutiger Sicht nicht eindeutig zu beantworten sind. Besonders spannend fand ich den Beitrag über das Wundertuch von Guadelupe. Diesbezüglich traf Lars Fischinger sogar den Papst! Erstaunt hat mich auch die Vielzahl an Quellen, die für dieses Buch geprüft und gelesen wurden. Auch das ist ein kleiner Schatz an Büchern, von denen das eine oder andere bestimmt seinen Weg zu mir finden wird.

Hape Kerkeling , "Ich bin dann mal weg"

(12/09)
Bis zu diesem Buch habe ich Hape Kerkeling hin und wieder im Fernsehen wahrgenommen und vor ein paar Monaten schaute ich mir auch seinen Kinofilm an. Aber es war etwas ganz anderes, ihn als Menschen zu erleben. Natürlich tat ich das nicht direkt. Aber seine Beschreibung der Reise auf dem Jakobsweg hat mich schon berührt. Es waren 600km, die ich ihn vom Grab des heiligen Jakob in Saint-Jean-Pied-de-Port bis nach Santiago de Compostela begleiten durfte. Man gewöhnt sich sehr schnell an den Rhythmus der täglichen Etappen und die oft skurrilen Begebenheiten, die ihm widerfahren. Je mehr er sich dem Ziel nähert, um so trauriger wird man auch als Leser. Auch ich habe über viele Dinge nachgedacht und ein größeres Lob kann ich einem solchen Buch kaum machen.

Stephen King , "Qual"

(11/09)
Ich habe ja nicht schlecht gestaunt, als ich das Buch durchgelesen hatte und nach der letzten Zeile die Jahreszahl 1972 entdeckte. Danach, im Abspann erfuhr ich mehr über die lange Geschichte dieses frühen Romans des Meisters und wie knapp er seiner 'Nichtveröffentlichung' entgangen ist. Allerdings ist es nun auch kein Horror im üblichen Sinne. Dafür aber ein spannender Thriller, der aber einige Längen hat. Fast interessanter als die Entführung von Baby Joe fand ich die vielen Rückblenden auf Blaze Vergangenheit. Alleine das Ende deutet schon auf das Potential der nachfolgenden Bücher hin. Aber mal ehrlich. Wenn unter dem Skript nicht der Name King gestanden hätte, wäre dieser Text wohl kaum zwischen die Buckdeckel gepresst worden. Ich habe im Regal ja noch 'Wahn' stehen. Aber vorher kommen noch ein oder zwei andere Schmöker!

Daniel Glattauer , "Alle sieben Wellen"

(09/09)
Die Geschichte von Emmi und Leo geht weiter. Aber nun treffen sie sich mehrfach, was, aus ihrer Mailsicht betrachtet, ihre 'Beziehung' nicht gerade vereinfacht hat. Leo flüchtet nach Boston in die Arme von Pam und Emmi kehrt zu Bernhard zurück, irgendwie. Sehr gefallen hat mir die Geschichte mit dem Punkt in Leos Hand. Manchmal ist es eine klitzekleine Begebenheit, die ein Leben total verändert. Hier war es der kleine imaginäre Punkt in der Handfläche Leos, bei mir war es ein Zahnbürste. Erstaunlich, welche Wendungen das Leben nehmen kann. Nachdem ich beide Bücher gelesen habe bin ich der Meinung, dass Emmi Leo schreibtechnisch weit überlegen ist. Es muss Leo sehr viel Freude gemacht haben, auf ihre Mails zu warten und sie zu beantworten.

Daniel Glattauer , "Gut gegen Nordwind"

(08/09)
Keine Ahnung, wie oft ich dieses Buch empfohlen habe, ohne es gelesen zu haben :-). So etwas kann natürlich peinlich werden also habe ich diese Lücke mal schnell gefüllt. Die Geschichte von Leo und Emmi hat mich an viele eigene Erfahrungen erinnert und sehr oft musst ich schmunzeln oder laut lachen. Allerdings gefällt mir der Schluss nicht! Nein, nicht, weil sie sich nicht treffen! Dieses ewige Hin und Her finde ich ein wenig nervig und die Art, wie sich Bernhard in das Geschehen einmischt, ist etwas unglaubhaft. Ich kann mir nicht vorstellen, genau SO zu reagieren. Aber sei's drum. Diese Spannung, die sich aufbaut, wenn man einen unbekannten Menschen, mit dem man bisher nur Mails getauscht hat, treffen wird, die kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich werde jetzt gleich mal zum zweiten Band greifen. Mal schauen, was Emmi und Leo aus ihrem Leben machen.

Alan und Barbara Pease, "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken"

(05/09)
Eigentlich ist dieses Buch ja ein wenig verpönt. Aber kein Grund, es nicht zu lesen. Letztendlich war ich doch überrascht wie viel gefühlte Übereinstimmung ich darin entdeckte. Manche Behauptungen scheinen trivial und seit Ewigkeiten bekannt. Aber die Suche nach den Ursachen ist tatsächlich spannend und führt zu verblüffenden Schlußfolgerungen. Männer und Frauen können sich tatsächlich verstehen, wenn sie es denn wollen und ein paar klitzekleine Regeln beachten. :-)

Christoph Meckel, "Licht"

(02/09)
Es kommt nicht oft vor, dass ich nach ein paar Absätzen das Buch immer wieder sinken lasse und meine Gedanken zu fliegen beginnen. Die ersten drei Seiten sind traumhaft. Das Ende gefällt mir nicht, soll aber auch nicht gefallen. Übrig bleibt nur ein Warum? Eigentlich gibt es keine Handlung. Nur Gedanken,Fragmente, Erinnerungen, eingefangene Momente. Aber sie machen süchtig, sehnsüchtig. Das Buch hat mich berührt, wie es selten ein Buch dieses Genres getan hat. Es ist nicht zum Verschlingen geeignet aber zum Genießen, Zeile für Zeile...
Warum schreibe ich nichts über den Inhalt? Die Geschichte von Dole und Gil? Nun, dass tut das Buch viel besser, als ich es könnte.

José Saramago, "Eine Zeit ohne Tod"

(12/08)
Nach 'Stadt der Blinden' hatte ich mich auf dieses Buch gefreut. Die Idee klang vielversprechend. In einem Land gibt es von einem Tag zum anderen keinen Tod mehr. Todkranke verharren an der Schwelle, alle anderen sind gegen jedes Übel gefeit. Aber warum muss José Saramago im ersten Teil auf fast alle Satzzeichen und die 'Tüttelchen' der wörtlichen Rede verzichten? Ich habe selten so viel Zeit für so wenig Text benötigt. Die zweite Hälfte des Buches handelt von 'tod' selber. Der Tod ist eine Frau, deren einzige Gesellschaft ihre Sense ist! Es ist ziemlich bizarr zu lesen, was sie sich noch so alles einfallen lässt. Zumindest war es ein kurzweiligeres Lesen. Aber letztendlich war ich ziemlich froh, den Roman hinter mich gebracht zu haben.

Gustave Flaubert, "Reisetagebuch aus Ägypten"

(08/08)
Mit dem Taxi durch Kairo. Ich hatte schon ein wenig den Eindruck, dass das ein richtiges Abenteuer ist. Parallel zu meinem Aufenthalt in Kairo las ich jedoch, wie Gustave Flaubert vor 180 Jahren die Pyramiden erlebt hat und mir wurde sofort klar, Abenteuer ist etwas völlig anderes! Flaubert, der Perfektionist des Wortes, hat in diesem kleinen Band seine Gedanken und Eindrücke einfach gesammelt, ein wenig sortiert, jedoch nicht in eine literarisch gezähmte Form gebracht. Aber gerade das macht den Reiz dieser Beschreibungen aus. Höhepunkt ist eine ebenso sachliche wie beiläufige Diskussion über die Technik der Prügelstrafe mit dem Stock. Das Buch ist unglaublich authentisch und schon beim Lesen glaubt man den Sand zwischen den Zähnen knirschen zu hören, wenn der Wüstensturm über das Land zieht.

Paulo Coelho, "Der Alchimist"

(08/08)
Irgendwo las ich einen Vergleich mit dem 'Kleinen Prinzen' und kann dem eigentlich nur zustimmen. Ein Schafhirte in Andalusien träumt von einem Schatz in der Nähe der Pyramiden. Er befragt eine Zigeunerin und bekommt Hilfe von einem mysteriösen Mann. Dann beendet er sein bisheriges Leben, verkauft seine Schafe, verlässt seine große Liebe und macht sich auf die Suche nach dem Schatz. Das Buch ist eine Parabel über das Leben, den Weg, der einem vorbestimmt ist und die Konsequenzen einer Wahl, die irgendwann getroffen werden muss. Die Geschichte macht sehr nachdenklich, man wird fast gezwungen, sich darauf zu besinnen, was wirklich wichtig ist im Leben. Danach sieht man die Welt mit ein klein wenig anderen Augen.

Julia Franck, "Die Mittagsfrau"

(02/08)
Ich hatte es vor Julia Francks Lesung in Hannover leider nicht mehr geschafft, das Buch zu lesen. So waren mir schon einige 'Spoiler' untergekommen, bevor ich selber den Buchdeckel öffnete. Es ist ein sehr eindringlicher Roman, teilweise verstörend aber immer eindringlich und aufrichtig! Ich konnte mich mehrere Male des Gefühls nicht erwehren, dass hier viele Dinge geschildert wurden, die man heimlich in seinen Gedanken abwägt, sie aber nie mit jemanden besprechen oder sie gar in die Tat umsetzen würden. Die Geschichte zeigt, wie eine ganz konkrete Epoche, hier die Zeit des Nationalsozialismus, auch ganz bestimmte Verhaltensweisen bei den Menschen forciert. Es macht nachdenklich, diese Zeilen zu lesen.

H.R.Giger, "ARh+"

(12/07)
Durch einen glücklichen Zufall war es mir vergönnt, eine Ausstellung von Giger im Kunsthaus Wien sehen zu dürfen. Dort erstand ich auch dieses recht interesante Büchlein. Neben den Erinnerungen, die recht amüsant zu lesen sind, ist besonders die Vielfalt der dargestellten Bilder faszinierend. Ein sehr interessanter Künstler, der auch Dali, einen meiner beiden Lieblingsmaler, zu seinem Bekanntenkreis zählte.

Doris Lessing, "Die Kluft"

(12/07)
Das ist eines der ganz wenigen Bücher, denen ich gar nichts abgewinnen konnte. Da mag die Autorin ja eine hochgelobte Nobelpreisträgerin sein,die Story erscheint mir konstruiert und ich fand es todsterbenslangweilig. Da stellt sich die berühmte Frage: "Was wollte uns die Autorin damit sagen?" Ich habe keine Ahnung.

Franz Kafka, "Der Prozess"

(12/07)
Dieses Mal habe ich den Wettstreit mit der Theateraufführung verloren :-( Das Buch beendete ich eine gute Woche nach der Vorstellung. Aber Kafkas Sprache ist einmalig, nicht unbedingt eingängig aber man liest sie nicht, man kostet und genießt sie, was natürlich ein Stück mehr Zeit kostet, die man sich in diesem Fall aber durchaus nehmen sollte. Dafür bekommt man Beklemmung, Groteske und Irrsinn umsonst. Auch heute wird uns der Prozess gemacht, wir merken es bloß nicht.

Doris Dörrie, "Und was wird aus mir?"

(09/07)
Vermutlich hätte ich diese Buch nicht gelesen, wenn nicht gerade eine Lesung mit Doris Dörrie in Hannover stattgefunden hätte und ich nicht ganz 'ohne Ahnung' daran teilnehmen wollte. Die Story handelt von mehr oder weniger gestrandeten Existenzen im Moloch LA. Ein abgehalfterter, ehemals erfolgreicher deutscher Regisseur, der verzweifelt versucht, sein Image zu erhalten. Dazu zwei alternde Schauspielerinnen ,eine nervige Tochter und ein arroganter Filmproduzent. Mit lockerer Hand geschrieben, karikiert die Autorin das Filmbusiness in Hollywood und vermutlich sind einige persönliche Erfahrungen eingeflossen. Die Lesung war übrigens sehr unterhaltsam.

Daniel Kehlmann, "Die Vermessung der Welt"

(09/07)
Zwei Dinge möchte ich dazu äußern. Erstens würde ich liebend gerne so schreiben können wie Daniel Kehlmann. Dieser lapidare, hintergründige Humor ist einfach genial und man genießt die Worte, die sich zu einzigartigen Sätzen formen, wie ein Dessert. Gauß und Humboldt waren auf ihre Art besessen vom Streben nach Wissen. Das wäre der zweite Wunsch, den ich in mir verspüre. Nur einen Bruchteil ihrer Dynamik und ihrer Stärke zu besitzen, die wie ein Feuer das ganze Leben in ihnen loderte. Dieses Buch darf man nicht nur einmal lesen!

Erich Kästner, "Die Schule der Diktatoren"

(08/07)
Ich war überrascht, wie aktuell dieses Stück ist, obwohl es vor dem Hintergrund der Erinnerungen Erich Kästners an den zweiten Weltkrieg geschrieben wurde. Haben wir uns tatsächlich nur so wenig weiterentwickelt? Wohin man heute auch schaut, fast überall zählt mehr der Schein als das Sein und Marionetten an den Fäden im Dunkeln Verborgener, gibt es zu Hauf. Die eigentliche Motivation war ja die Theater-AG meiner Tochter, die dieses Stück im kommenden Jahr aufführen wird. Ich freue mich darauf.

José Saramago, "Die Stadt der Blinden"

(08/07)
In den Kritiken wurde das Buch mit 'Die Pest' von Camus verglichen. Das ist zweifellos berechtigt! Ein gleichsam atemberaubendes wie erschütternder Roman. Sowohl Stil als auch Inhalt setzen Maßstäbe. Wie ein Chirurg seziert Saramago die menschlichen Abgründe und da wo andere aufhören, geht er weiter und stößt neue Türen auf. Alle Helden des Buches sind anonym, es gibt keine direkte Rede und der Erzähler schwankt zwischen genauer Analyse bzw. Beschreibung der Situation und einem Plausch mit dem Leser. Er nimmt ihn mit auf eine Reise, die Spuren hinterlassen wird...

Ilija Trojanow, "Der Weltensammler"

(06/07)
Gleich die nächste Lesung. Dieses mal in Hannover und zusammen mit Feridun Zaimoglu. Zwei beeindruckende Persönlichkeiten, die der Literatur von heute ihren Stempel aufgedrückt haben. 'Der Weltensammler' ist ein ungewöhnliches Buch. Sowohl von seiner Struktur als auch von der Erzählweise. Zu Beginn war ich ein wenig skeptisch aber dann zog es mich immer mehr in seinen Bann. Diese Buch muss man genießen! Im Hinterkopf hatte ich natürlich noch den 'Flußwelt-Zyklus' von Farmer. Warum wohl :-)) ?

Marc Levy, "Wenn wir zusammen sind"

(05/07)
Da gab es den Termin mit der Lesung in Braunschweig.Warum sollte man sich Marc Levy nicht mal live anschauen? Also das aktuelle Buch gegriffen und gelesen. Zugegeben, es liest sich gut und schnell aber es kann der Vergleich mit seinem 'wirklichen' Erfolg 'Solange du da bist' nicht standhalten. Aber für romantische Abende vor dem Kamin mit einem Glas Wein und dem Toben des Sturms vor dem Fenster kann ich es doch noch empfehlen.

Loriot, "Loriots Kleiner Opernführer"

(05/07)
Falls mal gerade wieder die Zeit zu knapp ist, in Bayreuth 'Den Ring' über mehrere Tage zu konsumieren, bekommt in diesem einzigartigen Büchlein einen Schnelldurchlauf der mal eben die germanische Mythologie, sämtliche göttlichen Verwandtschaftsverhältnisse sowie Intrigen, Inzest, Mord und Totschlag in Walhalla und auf Erden abhandelt. Das daneben noch 54 weitere Opern kongenial zusammengefaßt werden, kann man nur noch als absolutes Sahnhäubchen bezeichnen.

Frank Schätzing, "Lautlos"

(05/07)
Vor einiger Zeit las ich "Der Schwarm" und war angetan von der gut recherchierten und spannenden Story. Mit "Lautlos" habe ich so ein wenig meine Probleme. Die Handlung braucht eine Weile, bevor sie ihn Fahrt kommt. Auch stört mich ein wenig die Macho-Figur des O'Connor.

Tschingis Aitmatov, "Der Schneeleopard"

(04/07)
Mit diesem Buch mußte ich mich ein wenig beeilen. Am 26.04.2007 sollte Tschingis Aitmatov eine Lesung in Hannover halten und natürlich wollte ich das Werk zuvor gelesen haben. Er schreibt völlig anders als die westlichen Autoren. Es eröffnet sich eine ganz und gar ungewohnte, Welt, die doch nur einen Spalt breit von den 'Errungenschaften' der abendländischen Kultur entfernt ist. Leider fiel die Lesung aus, Tschingis Aitmatow mußte ins Krankenhaus. Ich wünsche ihm auf diesem Wege alles Gute!